Gedanken von Helene Rischka

Dieses Schreiben ist der Versehrtensportgruppe von Frau Helene Rischka gewidmet.

Anpfiff:

Das Jahr war schnell vergangen. Jedoch wie ausgemacht sind sie auch heuer wieder gekommen. Frauen und Männer aus vielen Bundesländern Österreichs sowie aus den Nachbarländern. Das besondere an diesen Menschen ist, das sie nicht aus irgendeiner Laune einfach so hier sind, nein das Schicksal führte sie zusammen.

Irgendwann im Leben dieser Menschen geschah etwas, das alles anders werden ließ. Entweder war es ein Unfall, eine Krankheit, oder die Natur wollte es einfach so, das ihnen ein Bein amputiert werden musste. Viele von ihnen fragten sich wahrscheinlich damals ob es denn überhaupt einen sinn hat den Kampf ums Leben aufzunehmen, und wie es denn dann aussehen würde. Aber sie taten es. Mit Erfolg wie man heute sieht. Denn sie sagten nicht nur ja zum Leben, sondern auch für eine besondere Sportart. Nämlich den Versehrtensport Sitzball. Wie das aussieht? Ich gebe es ehrlich zu, dass ich es vor kurzem selber nicht wusste.

Man muss sich das so vorstellen: Da bilden sich die Spieler des jeweiligen Vereines zu Gruppen, um sich dann gegenseitig zu bekämpfen, indem man einen Ball mit der Hand zu der Gegenmannschaft rüber schlägt, in der Hoffnung das dieser ihn nicht erwischt. Doch um diese Wettkämpfe ausführen zu können, bedarf es langer Vorarbeit. Abgesehen von der vielen Bürokratie, halfen die Spieler mit vereinten Kräften die Spielhalle mit Sponsorenplakaten zu dekorieren, die Halle in Spielfelder einzuteilen, das Mikrofon mit dem Ruf 1,2,3 -Test-Test zu überprüfen.

Auch Schiedsrichter, Linienrichter und Punktezähler wurden eingeteilt. Alle halfen mit, um eine perfektes Spiel zu organisieren. Die Frauen der Männer belegte Brote und es wurden viele gute Torten gebacken, die man bei Kaffee Genießen konnte. Es war einfach alles perfekt organisiert. Und da kamen sie auch. Die Spieler in ihren Dressen bereit zum Kampf jeder wollte für sein Team gewinnen. Die Fotoapparate blitzten durch die Halle. Alles wollte festgehalten werden.

Was dann jedoch zu hören und sehen war, beschämt jeden anderen der all seine Gliedmaßen hat. Man hörte plötzlich dumpf fallende und klappernde Geräusche. Denn die Spieler hatten, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, ihre Beinprothesen und Krücken abgelegt, sich über die Hüften rutschfeste Matten angezogen und sich Gruppenweise zusammengesetzt. Plötzlich steht man mit seinen eigenen gesunden zwei Beinen da, und würde am liebsten jedem einzelnen seine Hilfe anbieten. Aber man wagt es nicht. Diese Männer Und Frauen sind an ihrem Geschick und Beweglichkeit kaum zu überbieten. Ihre selbstbewusste Ausstrahlung Ist beschämend. Der Einsatz ist riesengroß. Der Ball wird nun mit vollem Einsatz hin und hergespielt um bei der Gegenmannschaft einen Punkt zu erzielen. Zweimal sieben Minuten werden gespielt. Dazwischen ist der Wechsel. Dann ertönt ein lautes Hupen und das Spiel ist aus. Und so spielen die Mannschaften den ganzen Tag mit Kraft und Schweiß gegeneinander.

Dazwischen wird bei den Damen am Buffet Pause gemacht, um die ganzen Köstlichkeiten zu genießen. Selbst da tüftelt man Spielsysteme untereinander aus. Und weiter geht’s. Die Spieler feuern sich untereinander lautstark an. Super ich schieße, zu mir, bravo und vieles mehr hört man rufen. Wenn ein Punkt erzielt wird klatscht man sich in die Hände. Es ist begeisternd zuzuschauen: bei diesem Teamgeist. Es gibt auch mal lustige Einlagen bei den Spielern und leider kann es auch mal zu kleinen Verletzungen kommen. Aber die schüchtert keinen ein.

Das letzte Spiel: Man kann bereits jedem Spieler die Erschöpfung ansehen. Doch der letzte Punkt muss noch erkämpft werden. Aus. Der letzte Pfiff, die letzte Ansage. Die Punkte stehen fest. Plötzlich wieder diese dumpfen und klappernden Geräusche. So schnell die Gehilfen ausgezogen waren, waren sie wieder angezogen. Mich wundert nur das ein jeder immer wieder seine eigene findet bei dem durcheinander. Und rasch wurde wieder gemeinsam die Halle von Plakaten, Abgrenzungen und angefallenen Müll gereinigt. Auch das Buffet wurde von seinen letzten Brösel befreit. Alles war aufgegessen. Das Team half überall zusammen. Denn schließlich hieß es anschließend treffen im Gästehaus bei Speis und Trank.

Der große Saal war schön gedeckt. Musik wurde bestellt alle kamen trotz Müdigkeit. Das Essen wurde angerichtet, und man merkte wie gut es jedem tat eine große Stärkung zu sich zu nehmen. Es war immerhin das erste warme Essen an diesem Tag. Wieder gestärkt warteten alle auf den großen Auftritt. Die Siegerehrung begann. Der Letzte wurde als Erster genannt. Stürmischer Applaus bis zu dem Moment als der Sieger genannt wurde. Der Gastgeber wurde an diesem Tag Zweiter. Das Siegerteam war etwas besser. Super Leistung. Der Einsatz war von allen riesengroß die Zurufe und Klatschorgien wollten gar nicht aufhören. Es war eine super Stimmung. Und wieder wollten die blitzenden Fotoapparate alles festhalten. Danach kam der gemütliche Abend. Wer wollte konnte tanzen oder sich auch nur einer gemütlichen Diskussion hingeben. Dann der letzte Schluck, der letzte Tanz.

Todmüde gehen sie alle schlafen. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Am Ende sind sie alle große Sieger. Ohne Punkteunterschied.

Nämlich seit diesem Tag an dem sie zum zweiten Mal ja zum Leben gesagt haben.

Schlusspfiff ? Noch lange nicht.

Helene Rischka

St. Pölten, 11.10.2009

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